Unglaublich…
Dieser Beitrag bezieht sich auf den Blogeintrag von Ralf Westphal und den dazugehörigen Artikel aus der dotnetpro 5/2010.
Heute würde lachen, wenn es nicht so traurig wäre.
Die Aussage, meine Arbeit lässt mir keine Zeit mich weiterzubilden (die ich früher selbst auch verwendet habe), ist eine Schutzbehauptung. Es liegt nicht an der Arbeit, die ich zu tun habe, sondern wie ich meine Arbeit gestalte. Richtig ist, dass mir keine Zeit extra freigestellt wird um mich Weiterzubilden.
Wenn man für ein Feature plant es mit xx zu Entwickeln (und xx kann hier für Architektur, Frameworks wie WCF oder Sprach-Features wie Linq stehen), dann plant man halt schon die Zeit für die Einarbeitung mit ein. Das ist eine Entscheidung, die ich selbst treffe und entscheide. Solche Entscheidungen diskutiert man nicht mit seinem Chef, schließlich bezahlt er mich dafür solche Entscheidungen selbständig zu treffen und mein Kunde erwartet das sowieso von mir.
Zeit hat man nicht (oder kriegt sie gar Geschenkt), Zeit nimmt man sich. Unbewusst machen das viele sicher aber dank Ralf bin ich bewusst dazu übergegangen mir Zeit zu nehmen.
Ganz ohne Daheim etwas zu machen geht es leider nicht. Wir tragen Verantwortung für den Erfolg oder Misserfolg eines Projekts. Wir müssen uns einen Überblick schaffen über die Möglichkeiten, welche uns unsere Werkzeuge bieten. Hierfür bieten sich Developer Groups, Bücher, Fachzeitschriften, Weblogs, Foren und Chats an.
Wer sagt, „ich habe keine Zeit daheim etwas zu lesen oder eine Group zu besuchen, weil ich Frau, Kind, Hund, Katze oder Maus habe“, sollte sich folgende Frage mal stellen. Haben die, die mir diese Angebote zur Verfügung stellen keine Frau, Kind, Hund, Katze oder Maus? Diese Leute müssen ein Vielfaches mehr Zeit investieren um euch diese Angebote zur Verfügung zu stellen und viele machen das ohne dafür Geld zu bekommen.
Gerade wer Familie hat sollte einen sehr guten Anreiz haben zu kämpfen wie ein Löwe!
Zum Glück hat Ralf nicht gefragt was alt+f4, f12, alt+f12, strg+h oder strg+g macht. Welche Funktion Resharper ausführt, wenn ich alt+page down drücke und und und. Wenn ein Entwickler sagt er hat keine Zeit muss er sich die Frage stellen lassen ob er sein Werkzeug überhaupt bedienen kann. Am Anfang ist es schwer (und nach jeden Urlaub sowieso
) sich die ganzen Shortcuts zu merken aber irgendwann denkt man gar nicht mehr drüber nach.
Einen Fehler, den ich zum Beispiel immer gemacht habe war das ich bei der Verwendung von IntelliSense immer Tab gedrückt habe anstatt einfach das nächste Zeichen zu Tippen. Einen Tastendruck zu viel also bei JEDER Verwendung von IntelliSense.
Wie sah das aus?
Um folgendes zu schreiben this._auto = auto; bin ich immer wie folgt vorgegangen.
th<tab>._a<tab>=au<tab>; Heute tippe ich es so ein th._a=au;
Ich wurde darauf hingewiesen, weil ich mir die Zeit genommen habe während meiner Arbeitszeit meinen Kollegen zu bitten mit mir meinen Code anzuschauen. Ich war Mutig dafür wurde meine Firma und ich belohnt! Ich arbeite einen Tastendruck effektiver ohne meine Code-Qualität zu verschlechtern! Wie ein sechser im Lotto.
Sich das Tab abzugewöhnen war im Übrigen ein sehr harter Kampf… Heute führe ich einen ähnlichen Kampf mit der neuen Version von ReSharper.
Nun kann ich um eine Textbox die TbBorderTop heißt wie folgt ins IntelliSense hämmern. TBT oder nur Top. Schon hat IntelliSense TbBorderTop gefunden. Und so viel denken muss man dabei gar nicht wie man vermuten mag.
Mein Arbeitgeber muss von mir erwarten können, dass ich mein Werkzeug beherrsche! Ich bin kein Azubi mehr sondern ein ausgebildeter Software Entwickler.
Ralf und ich haben hier sicher nur die Spitze des Eisberges angesprochen. Ich bin mir zumindest Bewusst, dass ich noch einen weiten Weg habe die Grundlagen zu meistern und bin dankbar dafür, dass es Leute gibt die mich darauf hinweisen und mir helfen diese Wissenslücken mit Wissen zu füllen.
Ich verweise gerne auch noch auf meinen Artikel Entwickler entwickeln.




